Welche Aufgaben hat der Beckenboden?
Der Beckenboden ist ein Geflecht aus Muskeln, Bändern und Bindegewebe, das den unteren Abschluss des Beckens bildet. Er erfüllt mehrere lebenswichtige Funktionen:
Stützfunktion
Der Beckenboden trägt Blase, Darm und Gebärmutter. Er hält die Organe in ihrer Position und verhindert, dass sie nach unten absinken.
Kontinenzfunktion
Er unterstützt die Schließmuskeln von Blase und Darm und ermöglicht so kontrolliertes Wasserlassen und Stuhlhalten.
Stabilität
Gemeinsam mit der Rückenmuskulatur und dem Zwerchfell bildet der Beckenboden das Fundament der Körpermitte und trägt zur Haltungsstabilität bei.
Sexualfunktion
Der Beckenboden ist an der sexuellen Empfindungsfähigkeit beteiligt und beeinflusst das Wohlbefinden in diesem Bereich.
Warum wird der Beckenboden durch Schwangerschaft belastet?
Bereits während der Schwangerschaft verändert sich der Beckenboden – noch bevor die eigentliche Geburt stattfindet:
Gewicht des Kindes
Über Monate trägt der Beckenboden das wachsende Gewicht von Kind, Fruchtwasser und Plazenta – eine kontinuierliche Dauerbelastung für die Muskulatur.
Hormonelle Veränderungen
Das Schwangerschaftshormon Relaxin lockert Bänder und Bindegewebe auf, um die Geburt zu erleichtern – was gleichzeitig die Stabilität des Beckenbodens vorübergehend verringert.
Veränderter Druck im Bauchraum
Mit wachsendem Bauch steigt der intraabdominale Druck, der dauerhaft auf den Beckenboden wirkt und dessen Muskulatur beansprucht.
Welche Auswirkungen kann die Geburt haben?
Die Geburt selbst stellt eine besondere Belastungssituation für den Beckenboden dar – unabhängig davon, ob es sich um eine vaginale Geburt oder einen Kaiserschnitt handelt.
Dehnung der Muskulatur
Bei einer vaginalen Geburt dehnt sich der Beckenboden erheblich. Die Muskulatur muss dabei extreme Dehnungsgrade bewältigen.
Verletzungen des Gewebes
Dammrisse oder Episiotomien (Dammschnitte) können die Beckenbodenmuskulatur und das Bindegewebe direkt betreffen.
Belastung der Nerven
Nerven, die den Beckenboden versorgen, können durch Druck oder Dehnung während der Geburt vorübergehend beeinträchtigt werden.
Natürliche Geburt vs. Kaiserschnitt
Bei einer vaginalen Geburt wird der Beckenboden durch die Dehnung und den Geburtsvorgang direkt beansprucht.
Beim Kaiserschnitt entfällt die vaginale Dehnung – jedoch hat die Schwangerschaft selbst den Beckenboden bereits belastet. Ein Kaiserschnitt schützt nicht zuverlässig vor Beckenbodenproblemen. Auch nach einer Sectio kann eine Beckenbodenschwäche auftreten.
Typische Beschwerden nach der Geburt
Die Beschwerden, die Frauen nach einer Geburt im Zusammenhang mit dem Beckenboden erleben, sind vielfältig. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie stellen kein persönliches Versagen dar – sie sind häufig und behandelbar.
Urinverlust beim Husten oder Niesen
Plötzliche Druckspitzen im Bauchraum – wie beim Husten, Niesen oder Lachen – überfordern den geschwächten Beckenboden. Es kommt zu unwillkürlichem Urinverlust. Dieses Phänomen wird als Belastungsinkontinenz bezeichnet und ist eines der häufigsten Beschwerdebilder nach der Geburt.
Unsicherheit beim Sport
Joggen, Springen oder intensivere Sportarten können nach der Geburt unangenehm oder mit Urinverlust verbunden sein. Viele Frauen meiden deshalb Sport – was langfristig die Erholung erschwert.
Druck- oder Senkungsgefühl
Ein Gefühl von Schwere oder Druck nach unten im Beckenbereich kann auf eine Beckenbodenschwäche hinweisen. In ausgeprägteren Fällen kann dies mit einer Senkung von Blase, Gebärmutter oder Darm verbunden sein – was ärztlich abgeklärt werden sollte.
Häufiger Harndrang
Manche Frauen berichten nach der Geburt von verstärktem Harndrang oder dem Gefühl, nicht rechtzeitig zur Toilette zu kommen. Dies kann auf eine überaktive Blase oder eine Mischform der Inkontinenz hinweisen.
Unsicherheit im Alltag
Das ständige Mitführen von Einlagen, das Planen von Toilettenstopps und das Vermeiden bestimmter Situationen schränken die Lebensqualität ein. Diese alltägliche Belastung ist häufig unterschätzt – und oft vermeidbar.
Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?
Grundsätzlich ist jede Frau, die nach der Geburt Beschwerden im Beckenbodenbereich hat, gut beraten, dies ärztlich ansprechen zu lassen. Besonders empfehlenswert ist eine Abklärung bei folgenden Zeichen:
- Beschwerden, die nach einigen Monaten nicht besser werden
- Fehlende Verbesserung trotz regelmäßiger Rückbildungsgymnastik
- Zunehmende statt nachlassende Beschwerden
- Deutliches Druck- oder Senkungsgefühl im Beckenbereich
- Schmerzen beim Wasserlassen oder im Beckenbereich
- Starke Einschränkung im Alltag oder beim Sport
Hilft Rückbildungsgymnastik immer?
Rückbildungsgymnastik ist ein wichtiger und sinnvoller erster Schritt nach der Geburt. Viele Frauen profitieren erheblich von einem gezielten Rückbildungsprogramm, das idealerweise unter physiotherapeutischer Anleitung stattfindet.
Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen: Nicht alle Frauen erreichen allein durch Rückbildungsübungen eine ausreichende Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur. Beschwerden können trotz regelmäßiger Übungen fortbestehen – und das ist kein Zeichen dafür, dass etwas falsch gemacht wurde.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Behandlung einer Beckenbodenschwäche nach der Geburt richtet sich nach dem individuellen Befund und den persönlichen Umständen. Es gibt verschiedene bewährte und moderne Therapieoptionen:
Beckenbodentraining
Gezieltes Anspannen und Entspannen der Beckenbodenmuskulatur ist der erste Schritt. Wichtig ist die korrekte Aktivierung – viele Frauen verwenden dabei unbewusst andere Muskelgruppen.
Physiotherapie
Eine erfahrene Beckenbodentherapeutin kann helfen, die Muskulatur korrekt zu aktivieren, individuelle Übungsprogramme zu entwickeln und den Fortschritt zu begleiten.
Pessare
Medizinische Hilfsmittel, die in die Scheide eingesetzt werden und Beckenorgane mechanisch unterstützen. Sie können eine sinnvolle Option bei bestimmten Befunden sein.
Operative Verfahren
Bei ausgeprägten Befunden, bei denen konservative Maßnahmen nicht ausreichen, kann ein operativer Eingriff medizinisch sinnvoll sein. Dies wird individuell ärztlich beurteilt.
Elektromagnetische Beckenbodenstimulation
Moderne nicht-invasive Verfahren wie Emsella aktivieren die Beckenbodenmuskulatur durch hochfokussierte elektromagnetische Impulse – ohne aktive Übungen, vollständig bekleidet.
Was ist Emsella?
Emsella ist eine nicht-invasive Behandlungsmethode zur Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur. Patientinnen nehmen vollständig bekleidet auf einem speziellen Behandlungsstuhl Platz.
Hochfokussierte elektromagnetische Impulse (HIFEM-Technologie) regen die Beckenbodenmuskulatur zu intensiven Muskelkontraktionen an – ohne dass die Patientin aktiv Übungen durchführen muss. Eine Sitzung dauert in der Regel etwa 30 Minuten. Der Alltag kann direkt im Anschluss fortgesetzt werden.
Es handelt sich um einen ambulanten Eingriff ohne Narkose, ohne Schnitte und ohne Ausfallzeit.
Wichtiger Hinweis
Mehr über die Emsella-Behandlung in Schwandorf
Informationen, Ablauf und persönliche Beratung in der Praxis Dr. Schmidt.
Für wen kann Emsella nach einer Geburt sinnvoll sein?
Emsella kann als konservative Option für Frauen in Betracht kommen, bei denen nach der Geburt noch Beckenbodenbeschwerden bestehen. Eine individuelle ärztliche Beurteilung ist dabei immer Voraussetzung.
- Frauen, die die Rückbildungsphase abgeschlossen haben, aber weiterhin Beschwerden haben
- Frauen mit Belastungsinkontinenz (Urinverlust bei Husten, Niesen, Sport)
- Frauen, die sich beim Sport unsicher fühlen und körperliche Aktivität einschränken
- Frauen, denen es schwerfällt, Beckenbodenübungen korrekt und regelmäßig durchzuführen
- Frauen, die eine nicht-operative, konservative Behandlungsoption suchen
Weiterführende Informationen
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Dr. Thorsten Schmidt
Facharzt für Allgemeinmedizin · Hausarzt Schwandorf
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